Archiv der Kategorie: tango dreams

Rezension in »Tangodanza« von Laura Knight

»Diese Kolumnen-Sammlung ist eine Hommage an die Magie des Tango. Lea Martin gibt darin Einblicke in ihre persönliche Tango-Erfahrungswelt. Es geht ihr um den Tango, den wir alle kennen, der ebenso Herausforderung ist wie Hobby, Leidenschaft und soziales Ereignis. Die Autorin nimmt ihre Leser mit auf Milongas (hauptsächlich in Berlin), in den Unterricht, zur Tanzpartnersuche und in die Einsamkeit nach der letzten Tanda. Sie dürfen teilhaben an Gedanken, Erinnerungen, Frustrationsmomenten und Glücksgefühlen. Dabei lässt Lea Martin den Tango so sein, wie sie ihn erlebt – mit allen Emotionen und Widersprüchlichkeiten. Sie gibt sich seinem Zauber hin und macht seine Magie greifbar. Sie erlaubt es sich, verträumt zu sein und manchmal auch naiv statt abgeklärt und cool. Fühlen statt Denken. Tun statt Verstehen. Dadurch gewinnen die Texte an Tiefe und regen zur Reflexion an. Unterstützt wird dies durch eine bildhafte, manchmal gar poetische Sprache.

Jeder der Texte stellt eine Begegnung mit einer der vielen Facetten des Tango dar. Ganz nebenbei zeichnet das Buch den Weg von der begeisterten Anfängerin zur erfahrenen Tänzerin nach. Die Kolumnen widmen sich den kleinen Absurditäten ebenso wie den großen Emotionen. Wer selbst Tango tanzt, wird sich darin wiederfinden. Manche fühlen sich vielleicht ertappt, wenn von ‚Mir Tango‘, ‚Eric Tango‘ und ‚Stefan Tango‘ und er Telefon-Kontaktliste die Rede ist Andere denken beim Text über das erste Tango-Date schmunzelnd an ihre eigene Tanzpartnersuche zurück oder schwelgen bei ‚Lehrer-Hopping‘ in Erinnerung an ihre ersten Tango-Lehrer. Und die wenigsten lässt vermutlich der Gedanke an den letzten Tanz mit einem geliebten Menschen kalt.

Ursprünglich wurden die Texte von Lea Martin auf einem Internet-Portal veröffentlicht. Jetzt gibt es die 82 Kolumnen, von denen kaum eine länger als zwei Seiten ist, zusammengefasst in einem 171-seitigen Buch. Dank der schönen Hardcover-Ausführung mit rotem Lesebändchen ist das Buch auch ein besonderes Geschenk für Tango-Begeisterte. Tango Dreams richtet sich an alle, die selbst Tango tanzen ebenso wie an Interessierte, die sich in den ‚Tango-Zirkus‘ zunächst aus sicherer Entfernung einlesen wollen. Das Cover zeigt eine Tango-Umarmung, bei der der Mann fast im Schwarz des Bucheinbandes verschwindet und die Frau zur Hauptperson wird – passend zu den Texten, die die Erfahrungen aus weiblicher Perspektive schildern und gerade deshalb nicht nur für Frauen interessant sind. Das Buch lädt zum Stöbern ein. Dabei muss die vorgegebene Reihenfolge der Kolumnen nicht eingehalten werden, in den wenigsten Fällen knüpfen diese direkt aneinander an. (…)«

Leseprobe »Tango Dreams«

10. Kolumne: Familie Tango

Neugierig schaut meine Mutter mir über die Schulter.
»Was für ein hübscher Familiename«, freut sie sich, »Tango, wie romantisch.«  Lachend erkläre ich ihr, dass bei WhatsApp all meine Tanzpartner so heißen. Miro Tango. Eric Tango. Stefan Tango. Ihre echten Nachnamen kenne ich nicht. Wer schon länger in der Tangowelt unterwegs ist, differenziert sogar nach Schulen. »Miro TTMS«, »Miro Nou«, »Miro Tanguito«.

Meine Mutter staunt. Sie kennt ihre Bekannten mit vollem Namen, weiß, wie alt sie sind und wo sie wohnen. In der Tangowelt herrschen andere Regeln, jedenfalls in einer anonymen Großstadt wie Berlin. Hier offenbart jeder nur, was er möchte. Tango wird (auch) als tänzerisches Angebot genutzt, um unverbindliche Momente der Nähe zu genießen. Für meine Mutter wäre das nichts.

Und für mich? Ich bin neugierig auf Menschen. Und genieße Fremdes als reizvoll. Sich einzulassen, ohne zu wissen, was kommt, hat einen Zauber, der den Tango – und auch manche Milonga – ausmacht. Wo kommen die Tangueros her? Wo zieht es sie hin?

»Tango«, werde ich aufgeklärt, »ist ein Versprechen, das nicht eingelöst werden will.« »Von mir schon«, lache ich. Und verstehe vielleicht etwas falsch. Sind Menschen, die nur ihren Vornamen verraten, zwangsläufig suspekt?

Wer Tangoschuhe anzieht, erweitert sein Spektrum, probiert sich aus. Für einen Moment verblasst das Leben, das wir außerhalb der Tanzfläche führen. Wir kommen uns nah, auch wenn die Nähe einer Fata Morgana gleicht. Tangotänzer, die von einer zur anderen Dame schwirren, immer auf der Suche, niemals am Ziel, locken wie verlorene Söhne, die eine unstillbare Sehnsucht in sich tragen. Das ist verführerisch und verwirrend.

»Hi, hier ist Miro.« Miro will einen Kurs mit mir machen. Heute. Sofort. In drei Stunden. Ich kann nicht? Morgen, übermorgen ist er verplant. Dann erst wieder Sonntag. »Sonntag 14 Uhr zur Practica?« »Practica? Ich denke, du willst einen Kurs?« Unsere letzte Verabredung hat der junge Mann fünf Minuten vor Beginn per SMS abgesagt: »Bin zu müde.« Das wäre ich auch, denke ich, wenn ich mir den Kalender so zuknallen würde.

Mein Vertrauen ist angegriffen von all den schwirrenden Tangovögeln, die das Flirrende, Ungewisse genießen und Tangopartnerinnen wie beim Pizzaservice bestellen.

Oder verstehe ich schon wieder etwas falsch? Und sollte mal anfangen zu genießen, was Familie Tango zu bieten hat, statt mit Abwehr zu reagieren? Immerhin zeichnet es jede richtige Familie ja aus, dass man sich manchmal so richtig über sie aufregt.

Tango Dreams – Rezensionen

Als „sorgfältig formulierte Miniaturen einer leidenschaftlichen Tänzerin“ liest der Berliner Journalist Thomas Kroeter die Kolumnen, in denen die „emotionalen Gefährdungen“ durch den Tango „deutlich, aber diskret“ beschrieben seien. Die vollständige Rezension ist auf dem Blog „kroestango“ zu finden.

Die Berliner Bloggerin  Laura Knight zieht eine Parallele zu ihrem eigenen Konzept: »Im Tango geht es nicht ums Sehen, sondern ums Fühlen und es geht auch nicht ums Verstehen, sondern ums Tun – und genau davon handeln diese Texte – viele von unseren genauso wie die von Lea Martin.« Der vollständige Beitrag ist auf dem Blog Berlin Tango Vibes zu finden.

Eine »Hommage an die Magie des Tango« nennt die Rezensentin Laura Knight die Kolumnen-Sammlung In der »Tangodanza« (Nr. 4/2019): »Dank der schönen Hardcover-Ausführung mit rotem Lesebändchen ist das Buch auch ein besonderes Geschenk für Tango-Begeisterte. Tango Dreams richtet sich an alle, die selbst Tango tanzen ebenso wie an Interessierte, die sich in den ‚Tango-Zirkus‘ zunächst aus sicherer Entfernung einlesen wollen.« Die vollständige Rezension ist hier nachzulesen.

»Tango Dreams überzeugt mit spannenden, kurzweiligen Kolumnen, die einen Einblick in das aufregende Erlebnis, den Tango zu entdecken, geben. Ein unbedingter Lesetipp! Wer Tango tanzt, sollte dieses Buch im Regal stehen haben«, findet Jörg Buntenbach, Herausgeber des Magazins www.tango-argentino-online.com, In den Kolumnen würden Tango-Erlebnisse würden »wunderbar auf den Punkt gebracht«. Und weiter: »Es macht Spaß, die Kolumnen zu lesen – und jeder, der selbst Tango tanzt, wird sich darin wiederfinden. Die Texte sind ungeschminkt und setzen sich auch mit den Zweifeln auseinander, die ein ‚Tangoleben‘ mit sich bringen. Der Autorin geht es nicht darum, den Tango auf einen Sockel zu stellen. Sie zeigt auf, dass der Tango wie das Leben selbst sein kann. Mit allen Höhen und Tiefen. Mit aller Freude, mit aller Leidenschaft – und mit allen Fragen, die sich jeder über die Zeit selbst stellt.« Die vollständige Rezension ist hier nachzulesen.