Archiv der Kategorie: lieber dreimal gestürzt

Leseprobe „Lieber dreimal gestürzt“

nach uns

du warst mir
ein buch voller rätsel

deine fremdheit zog ich an
wie ein glitzerndes kleid

ich las zwischen den zeilen
umarmte dein schweigen

begann selbstvergessen
eigene texte zu weben

für ein buch
voller fragen

nach
uns

 

Beziehungsweise

Der Zufall
schlug uns
vor

wir einander
zurück

 

trennungspost

statt liebe hallo
statt begehren betreff

aus uns wird
du gegen ich

nur deine unterschrift
erinnert an deinen namen

der mir gerade noch
auf der zunge zerging

mit jedem atemzug
rückt er fort & verliert sich

im nebel einer erinnerung
die niemand mit mir teilt

 

Falten

So einen Bauch hatte ich auch
denke ich beim Anblick sehr junger Frauen
jetzt hat er Falten geschlagen

that’s life chest la vie, ich vergesse es nie
Leben sprießt. Leben fließt

ich mag meinen Bauch
und zum Glück

du ihn
auch

 

Winter in Berlin

1.

Die Spree voller Eis
Die Wangen heiß
Von Heizungsluft
Orangenduft

Weckt leise, süße Träume

Mit rauer Haut
Als kühle Braut
Tritt der Winter
dem Frühling entgegen

2.

Die Fenster erröten. So schön war die Nacht.
Die Spree glänzt verzaubert. Der Fernsehturm lacht.
Vergessen das Gestern. Vergessen, was war.
Es lächelt das Heute, freundlich und klar.

 

 

 

 

Rezensionen „Lieber dreimal gestürzt“

Als »gelassene Liebesgedichte einer Kämpferin« bezeichnet ein/e Leser/in bei Amazon den Gedichtband von Lea Martin und schreibt:

»Gelassen sorgt Lea Martin mit ihren Worten für eine klarblickende Introversion, die auch nach einer emotional geladenen Trennung alles andere als die übliche Rache vollzieht. Schweigend und geräuschlos löst sie sich aus widersinnigen Lagen und zieht einen schalldichten Vorhang vor sinnlose Streits: ‚In meinem Schweigehaus bin ich Königin‘ stellt sie fest und drückt damit aus, was sie sich wünscht: manchmal nicht gehört zu werden. In ihrer Schreib- und Atemweise entdeckt man, dass Menschen alles Mögliche unternehmen, aber nicht erwarten können, dass es richtig war. Liebe gibt man und fordert sie nicht, wer fordert, kann böse überrascht werden, Liebe ist grundlos und selbstverständlich, das ist die Haltung von Lea Martin. Sie nimmt weder sich noch einem anderen etwas übel und durchaus auch Dinge hin, die nicht nach ihren Wünschen laufen. Sie verabschiedet sich erst, wenn keine Aussicht mehr besteht, und kämpft für das, was ihr wichtig ist, als Dichterin und als Frau.«

Ein/e andere/r Leser/in hebt die Vielseitigkeit der Gedichte hervor. Sie sieht »all jene Gefühle« beschrieben, »die uns auf der Suche, während und auch beim Enden von Liebesbeziehungen begleiten. Mal lustig, wenn der Liebste doziert, wo sie doch küssen will. Häufig mit viel Tiefgang, wenn es um Vertrauen und Identität geht. Mal traurig beim ‚Ende vom Lied‘. Mal im Höhenflug des Verliebtseins und nicht zuletzt erotisch in ’nur für dich‘. So vielseitig wie die Beschreibung der Emotionen ist auch der literarische Stil