Alle Beiträge von Katharina Schäfer

Pressestimmen zu »auschwitz : heute«

19.02.2004  
tip Berlin

Nach dem Schweigen
Die Berliner Autorin und Verlegerin Katharina Schäfer hat in ihrem Literaturprojekt „auschwitz : heute“ das Wissen der Nachfolgegenerationen erforscht

von Anita Staudt

Am Anfang war eine kleine Postkarte, auf der stand: „auschwitz : heute“, und zwar genau so – alles klein. Davon verbreitete die Autorin und Verlegerin Katharina Schäfer allerdings 40.000 Stück in ganz Berlin – in Kneipen, Kinos, Cafés, Bibliotheken… (mehr)


19.02.2004
Jüdische Allgemeine

Die Vorleserin
Gedichte und Gespräche: Katharina Schäfer besucht Menschen zu Hause und erzählt über die Schoa

von Katja Winckler

Kämpfen tut sie heute noch mit ihrem Vater. Obwohl er schon seit Jahren tot ist. Immer wenn ihr Vater beim Kaffeetisch begeistert von Hitlers Autobahnen sprach, bekam er plötzlich diesen schmalen Mund unter dem gestutzten Oberlippenbart…(mehr)


12.11.2003
die tageszeitung

Nur das Knistern des Holzes im Ofen

von Katja Winckler

Aus nächster Nähe: Die Berliner Schriftstellerin Katharina Schäfer liest nicht öffentlich, sondern kommt mit ihrem Gedichtband „Weil ich keine Jüdin bin“ zu den Leuten nach Hause…(mehr)


30.10.2001
Berliner Morgenpost

Wohnzimmer-Lyrik.
Dichterin liest in privater Atmosphäre

von Frank Behrens

Tempelhof – Wohnzimmer sind private Räume. Und eigentlich kein Platz für Literaturlesungen. Genau diese Spannung nutzt die Lichtenrader Lyrikerin Katharina Schäfer für ihr Projekt „PrivatLesungen“… (mehr)


29.08.2001
Tempelhofer Wochenblatt

Lyrik im Wohnzimmer
Projekt „PrivatLesungen“ gestartet

von CS

Lichtenrade. Die Schriftstellerin Katharina Schäfer startete kürzlich mit Unterstützung der Dezentralen Kulturarbeit das Projekt „PrivatLesungen“. Dazu kommt sie für eine Lesung in die Wohnung von LeselustigenAuf die Idee mit den „PrivatLesungen“ kam Katharina Schäfer bei einer Tupperparty … (mehr)


20.12.2000
Heilbronner Stimme

Drei Gedichtbände von Lyrikern aus der Region.
Die Kunst des Dichtens

von Uwe Grosser

Viele fühlen sich berufen, nur wenige sind es: Die Zahl der Gelegenheits-Lyriker in der Region scheint stetig zuzunehmen, doch in der Masse findet sich nur wenig Klasse. Ein paar wohl klingende Wörter aneinander gereiht machen noch keine Poesie. Doch es gibt sie, Gedichtbände… (mehr)


Dezember 2000
TOP – Berlin International

Gedichte atmen unter das Gras

von Dieter Götze

„Im Schweigen wurde ich groß/ von Legenden durchsetzt/ Meine Unschuld verlor ich/ im Geschichtsunterricht/ Langsam nach Jahren der Sprachlosigkeit/ Lerne ich Worte zu spannen wie Zweige/ Zwischen Erde und Mond.“… (mehr)

Leseprobe »auschwitz : heute«

Einleitung

»Gibt es keine schöneren Themen?« werde ich oft gefragt. Meine Antwort ist: Nein. Es gibt kein schöneres Thema als die Realität. Auschwitz ist ein wesentlicher Teil dieser Realität, wenn nicht der wesentlichste.

Die Idee zu diesem Buch entstand aus dem Wunsch, ein polyphones Stimmungsbild zu realisieren, ein Kaleidoskop von Haltungen nicht-jüdischer Deutscher zu Auschwitz. Bewusst habe ich dafür nach Menschen gesucht, die, wenn sie Auschwitz hören, nicht weglaufen, sondern aufmerksam werden und bereit sind, über ihre Erfahrungen zu sprechen.

Für mich ist Auschwitz kein abgeschlossenes Kapitel, interessant allenfalls für Historiker oder zum offiziellen Gedenken. Mich interessiert die aktive Auseinandersetzung, von der Erinnerungsarbeit über die Pädagogik bis zur Politik. Mich bewegt, wenn die Kinder und Kindeskinder der großen und kleinen Täter aus dem Schatten ihrer Väter und Mütter treten, nicht pflichtschuldig, sondern aus freier Entscheidung. Gerade auch von Nachfahren ist aber immer wieder zu hören, dass „endlich“ Schluss sein müsse mit „diesem“ Thema.

Tatsächlich neigt die bundesdeutsche Gesellschaft dazu, Auschwitz als Thema auszusortieren, unter Judentum, Historie, Gedenken. Der im wesentlichen katholisch motivierte Bau des Mahnmals ist folgte einem ähnlichen Ziel. Man zahlt viel Geld, um Buße zu tun und glaubt an die Erlösung von Schuld. „Das Schöne an der Schuld ist das Gedenken“, dichtete unlängst ein Kabarettist. Gedenken befreit von Selbstreflexion. Das Mahnmal selbst jedoch lädt dazu ein.

Erhellendes zum deutschen Umgang mit den Auschwitz sschrieb Martin Walser, der Dichter vom Bodensee, der sich gern als nationaler Dichter geriert, bereits 1955 in seinem Aufsatz „Unser Auschwitz“: “ Natürlich“, schrieb er, „verabscheuen wir den Täter. Das gehört ja mit zu unserer intimen Auseinandersetzung. Wir empfinden den Unterschied. Und wir nehmen Anteil am Opfer.“ Mit der Rede vom „natürlichen Unterschied“ gab er das Freizeichen für eine öffentliche Reinwaschung der Seelen, die bis heute währt. Egal was unsere Vorfahren getan oder gelassen haben, „wir“ empfinden uns ihnen einfach als nicht zugehörig, punktum. Auschwitz, so Walser, sei ohnehin nur aus Sicht der Opfer zu verstehen. Viele Deutsche hören das gerne. Denn auf die Opfer zu schauen, entlastet von dem Blick in den Spiegel. Der „Verlust der humanen Orientierung“ (Ralph Giordano), der Auschwitz möglich machte, ist heute noch spürbar. Bis heute aber fällt es vielen Deutschen schwer, ihn für die eigene Familie, die eigene Person zu realisieren. Der Deutschen „Unfähigkeit zu trauern“ (Mitscherlich) ist Teil einer Gefühlstaubheit, die zwar aufbricht, aber längst noch nicht überwunden ist.

Die Interviews, die in diesem Buch versammelt sind, laden dazu ein, den bis in die Gegenwart reichenden Schatten von Auschwitz nachzuspüren. Gern werden zu Auschwitz wohlklingende Sätze formuliert, die von großen Worten hallen. Ich wünsche mir leisere, wachere Töne, eine Nummer kleiner und in Beziehung gesetzt zu eben jenen Tätern, von denen wir – Abscheu hin oder her – zunächst einmal abstammen. Ich selbst habe zu Auschwitz nicht vor allem eine politische, sondern zunächst eine emotionale Haltung und misstraue jedem, der behauptet, die Geschichte seiner Eltern und Großeltern ließe ihn kalt.

Mit allen Schwankungen, denen meine Gefühle zu Auschwitz im Lauf von drei bewusst erlebten Jahrzehnten unterlagen, sind sie wesentlicher Bestandteil einer Identität, die mich von meinen Eltern und Großeltern unterscheidet. Ich bin weit nach 1945 geboren und habe von Auschwitz in der Schule erfahren. Seinen Widerhall jedoch konnte ich spüren, politisch und privat.

Man unterteilt mit Bezug auf das Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 die Generationen in eine 1. (Opfer- bzw. Täter), 2. (Kinder von Opfern bzw. Tätern) und 3. Generation (Enkelkinder von Opfern bzw. Tätern). Ich selbst kenne beide Empfindungslagen, die des Kindes und des Enkelkindes. Meine Großväter waren überzeugte Nationalsozialisten, mein Vater als junger Mann bei der Waffen-SS. Meine Mutter und Großmütter schwammen im Fahrwasser der Männer in ihrer Familie. Als traumatisch habe ich nicht nur die NS-Vergangenheit meiner Familie zur NS-Seite erlebt, sondern vor allem die beständige nachträgliche Rechtfertigung, den nie vollzogenen inneren Bruch.

Sechzig Jahre nach 1945 erleben wir einen Zeitenwechse. Die letzten Überlebenden sterben, sowohl auf Opfer- als auch auf Täterseite. Die künftige Erinnerungskultur wird von Nachfahren geprägt. Für sie ist Auschwitz vermittelte Realität. Ihre Entscheidung, ob und wie sie damit umgehen, ist distanzierter und freier als die der vorangegangenen Generationen. Es gilt allgemein als schwer und belastend, über Auschwitz zu reden, von Auschwitz zu hören. Belastend war und ist in diesem Land jedoch vor allem das Schweigen. Ich will mit diesem Buch ein Zeichen setzen für die emotionale Akzeptanz einer Realität, die nicht leichter wird, indem man sie wegschiebt.

Zu Beginn des Projekts „auschwitz : heute“, wurden berlinweit 40.000 Postkarten, bedruckt mit diesen beiden Worten, verteilt. Auf der Rückseite war zu lesen:

„Auschwitz spaltet, es provoziert. Schuldgefühle, Trauer,
Entsetzen, Angst, Abwehr, Unlust, Langeweile. Das
Literaturprojekt ‚auschwitz : heute‘ fragt, wie Auschwitz von der
2. und 3. Generation nach 1945 erfahren wird. Wenn Sie mehr
über eine Teilnahme wissen wollen, schicken Sie einfach diese
Postkarte ab.“

Die Postkarte lag in Kneipen, Cafés, Kinos, Bibliotheken aus. Wer interessiert war, konnte mich zu einer Lesung aus meinem Gedichtband „weil ich keine jüdin bin“ einladen. Anschließend lud ich die ZuhörerInnen zu Interviews ein (…). Der Fotograf Hannes Wanderer realisierte meine Idee, die Räume, an denen Lesungen stattfanden, zu fotografieren, als Spiegel seiner BewohnerInnen. Herausgekommen ist ein lebendiges, vielgesichtiges Buch, das „InnenRäume“ zeigt, in Fotos und Text. Ich wünsche mir, dass es dazu ermutigt, einen offenen Blick in den Familienspiegel zu werfen. (…)

Berlin, April 2005 Katharina Schäfer

Leseprobe „weil ich keine jüdin bin“

lebendige erinnerung

meine nettigkeit ist
nur verkleidung

unter den kleidern
bin ich nackt
wie die

die ihr in gaskammern schicktet

 

Poesie

wort flüchtiges
kleines gebeuteltes
dich will ich

in Blüte
auf Bräutigamsschau
dich und mich

in der Küche
am Kindsbett
auf dem Balkon

Ausschau haltend
nach einem Morgen den nur
Liebende entdecken, zuweilen
wenn eins das andere hält

 

Festung Europa

Türen und Fenster können wir schließen
Die Schlösser durch neue ersetzen
Mit Sicherheitsriegeln versehen
Den Fernseher ausschalten
Die Zeitungen abbestellen
Die Ohren auf Durchzug

Und eine Sprache erfinden die
Von Mund zu Mund geht
Und das Herz nicht erreicht

All das
Können wir tun
Sorglos besorgt
Nur um uns

Aber nicht hindern
Dass das Schweigen uns einholt
In endlosen Zügen
In unseren wortreichen Häusern
Unseren bebilderten Ichs
Gräbern gleich die verließ

Was uns ausmacht
Als Mensch

 

Herkunft egal

Wie mir angst wird in meinen nächsten
und ich schwarz sehe durch euch

mit messern bedroht ihr
ein land das ich liebe
in jedem der lebt

herkunft egal

 

 

Leseprobe „Lieber dreimal gestürzt“

nach uns

du warst mir
ein buch voller rätsel

deine fremdheit zog ich an
wie ein glitzerndes kleid

ich las zwischen den zeilen
umarmte dein schweigen

begann selbstvergessen
eigene texte zu weben

für ein buch
voller fragen

nach
uns

 

Beziehungsweise

Der Zufall
schlug uns
vor

wir einander
zurück

 

trennungspost

statt liebe hallo
statt begehren betreff

aus uns wird
du gegen ich

nur deine unterschrift
erinnert an deinen namen

der mir gerade noch
auf der zunge zerging

mit jedem atemzug
rückt er fort & verliert sich

im nebel einer erinnerung
die niemand mit mir teilt

 

Falten

So einen Bauch hatte ich auch
denke ich beim Anblick sehr junger Frauen
jetzt hat er Falten geschlagen

that’s life chest la vie, ich vergesse es nie
Leben sprießt. Leben fließt

ich mag meinen Bauch
und zum Glück

du ihn
auch

 

Winter in Berlin

1.

Die Spree voller Eis
Die Wangen heiß
Von Heizungsluft
Orangenduft

Weckt leise, süße Träume

Mit rauer Haut
Als kühle Braut
Tritt der Winter
dem Frühling entgegen

2.

Die Fenster erröten. So schön war die Nacht.
Die Spree glänzt verzaubert. Der Fernsehturm lacht.
Vergessen das Gestern. Vergessen, was war.
Es lächelt das Heute, freundlich und klar.

 

 

 

 

Rezensionen „Lieber dreimal gestürzt“

Als »gelassene Liebesgedichte einer Kämpferin« bezeichnet ein/e Leser/in bei Amazon den Gedichtband von Lea Martin und schreibt:

»Gelassen sorgt Lea Martin mit ihren Worten für eine klarblickende Introversion, die auch nach einer emotional geladenen Trennung alles andere als die übliche Rache vollzieht. Schweigend und geräuschlos löst sie sich aus widersinnigen Lagen und zieht einen schalldichten Vorhang vor sinnlose Streits: ‚In meinem Schweigehaus bin ich Königin‘ stellt sie fest und drückt damit aus, was sie sich wünscht: manchmal nicht gehört zu werden. In ihrer Schreib- und Atemweise entdeckt man, dass Menschen alles Mögliche unternehmen, aber nicht erwarten können, dass es richtig war. Liebe gibt man und fordert sie nicht, wer fordert, kann böse überrascht werden, Liebe ist grundlos und selbstverständlich, das ist die Haltung von Lea Martin. Sie nimmt weder sich noch einem anderen etwas übel und durchaus auch Dinge hin, die nicht nach ihren Wünschen laufen. Sie verabschiedet sich erst, wenn keine Aussicht mehr besteht, und kämpft für das, was ihr wichtig ist, als Dichterin und als Frau.«

Ein/e andere/r Leser/in hebt die Vielseitigkeit der Gedichte hervor. Sie sieht »all jene Gefühle« beschrieben, »die uns auf der Suche, während und auch beim Enden von Liebesbeziehungen begleiten. Mal lustig, wenn der Liebste doziert, wo sie doch küssen will. Häufig mit viel Tiefgang, wenn es um Vertrauen und Identität geht. Mal traurig beim ‚Ende vom Lied‘. Mal im Höhenflug des Verliebtseins und nicht zuletzt erotisch in ’nur für dich‘. So vielseitig wie die Beschreibung der Emotionen ist auch der literarische Stil

 

Leseprobe „Bei Papa gibt es immer Cola“

Vorwort

Als meine Tochter drei Jahre alt war, trennte ich mich von ihrem Vater. Sie hat erst mit mir alleine gelebt und später noch zwei Ge- schwister bekommen. In einer Patchwork-Familie, die immerhin zehn Jahre lang hielt. Meine drei Kinder erlebten einiges an Um- bruch, an Umzügen, an neuen Menschen, die kamen und gingen. „Der Riss geht durch die Kinder“, dieser im Jahr 1991 erschienene Titel des Soziologieprofessors Otto Gaier drückt die emotionale Zumutung aus, die die Trennung ihrer Eltern für meine Kinder bedeutete.

Mein Selbstbewusstsein als Trennungsmutter hatte Hochs und Tiefs. Mal fühlte ich mich gründlich gescheitert, dann wieder war ich stolz auf meine tollen Kinder, denen egal zu sein schien, ob ich sie als Single-Mom oder als Patchwork-Managerin liebte. Wenn es Konflikte gab, halfen mir pädagogische Ratgeber oft nicht weiter, weil unsere spezielle Familien-Konstellation darin nicht vorkam. So fing ich an Kolumnen über Situationen zu schreiben, in die ich unverhofft gestolpert war und für die es keine Vorbilder gab.

Beim Schreiben wurden mir zwei Dinge klar: Zum einen sind viele Konflikte, die ich mit meinen Kindern erlebe, erstaunlich normal und eher nicht durch die besondere Situation als allein- erziehende Mutter verursacht. Zum anderen, und das ist der noch wichtigere Punkt, ist Familie nicht nur eine soziologische Ein- heit, sondern ein Traum, den wohl niemand so lebhaft träumt wie Kinder, die eine Trennung erlebt haben. „Bei Papa gibt es immer Cola!“ ist nicht nur eine Beschwerde, sondern zugleich die Bitte, den abwesenden Elternteil mitzudenken.

Meine Kolumnen erzählen vom Leben mit meinen Kindern, dem Wunsch, ihnen trotz Trennung eine stabile Familie zu bieten und den Lektionen, die das Leben mir dabei erteilte. Wenn ich eine Botschaft vermitteln möchte, dann die, dass Eltern auch nach einer Trennung versuchen sollten, gemeinsam Eltern zu sein, damit es nicht nur heißt: „Bei Papa gibt es immer Cola!“, sondern auch: „Und Mama liest super Geschichten vor!“

Ich wünsche mir, dass Eltern — und vor allem getrennt lebende Mütter und Väter — sich durch meine Kolumnen ermutigt fühlen, sich und ihrer Liebe zu ihren Kindern zu vertrauen, gerade dann, wenn nicht alles so glatt läuft, wie wir uns das wünschen. Wir werden nicht als Eltern und schon gar nicht als Trennungseltern geboren, sondern wachsen in diese Rolle hinein. Unsicherheit und sogenannte „Erziehungsfehler“ gehören dazu.

Ich wünsche mir eine Welt, in der sich getrennte Eltern und ggf. auch ihre neuen Partnerinnen und Partner davon berühren lassen, was Kinder brauchen, und um ein respektvolles Miteinan- der bemühen.

Ich wünsche mir, dass die Liebe von Kindern zu beiden Eltern auch nach einer Trennung der Maßstab für das Handeln aller Er- wachsenen bleibt, was eine große Herausforderung ist. Denn auch Eltern sind nur Menschen und in Trennungssituationen einer Belastung (emotional, finanziell, sozial) ausgesetzt, die sich oft in Auseinandersetzungen entlädt.

Ich wünsche allen Kindern, die unter den Konflikten und ggf. der Unversöhnlichkeit ihrer Trennungs-Eltern leiden, dass sie ausreichend Trost und Verständnis erfahren. Ich wünsche den Müttern und Vätern, die sich mit der Sorge um ihre Kinder allein gelassen und vielleicht auch überfordert fühlen, dass sie den Mut aufbringen, für sich und ihre Familie (ggf. auch professionelle) Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die diese Hilfe organisiert, einen Staat, der Trennungs-Familien unterstützt, und Menschen, die sich in allen Missständen, die es so gibt, für ihr eigenes Glück und das ihrer Kinder verantwortlich fühlen.

Berlin, Januar 2018                 Katharina Martin

immerwiedersingle — Rezension

In ihrer Zeitschrift »Clique. Das Magazin im Süden Berlins« erzählt die Herausgeberin und Chefredakteurin Anita Tusch unter dem Titel »Schiere Lust« von ihrer Begegnung mit Laetitia Liebe. Die Blog-Sammlung »immerwiedersingle.de« empfiehlt sie wie folgt:

»Von ‚Ich mach das hier zum ersten Mal‘ bis hin zu ‚Beziehungsstatus glücklich‘ könnt ihr eine Reise durchleben, in der ihr Euch ganz sicher auch wieder findet, vielleicht sogar gleiche Muster wie die Buchautorin entwickelt habt oder spätestens hier die Absolution für Euer Denken oder Handeln bekommt. Alles total normal oder eben doch nicht? Das Ziel von Laetitia Liebes Buch bleibt es, Mut zu machen und zwar auf beiden Seiten, um das Spiel mit Wünschen und Idealen besser zu verstehen. Es geht in Wirklichkeit doch um den Flirt mit dem Spiel des Kennenlernen, oder etwa nicht?«

Im Gespräch mit Anita Tusch sagt Laetitia Liebe über ihr Buch:

»Ich habe viele kurze und interessante Begegnungen gehabt. Die Menschen haben sich mir gezeigt, und jeder hat etwas in mir verändert. Die Innenansicht eines Singles berührt Männer wie Frauen. Viele flüchten in die virtuelle fiktive Welt. Mein Buch birgt Tipps aus der Welt des Scheins, um sich nicht unnötig verletzen zu lassen, sich zu schützen und einiges klug zu beachten – so dass man auch etwas von dieser Zeit hat.«

Der vollständige Text ist auf der Facebook-Seite von Laetitia Liebe nachzulesen. 

Leseprobe „www.immerwiedersingle.de“

Vorwort

Obwohl jede vierte Beziehung online beginnt, gibt es Vorurteile gegen Singlebörsen im Netz. Die Vorurteile werden selten ausgesprochen. Denn wir sind auf Toleranz konditioniert. Doch Hand aufs Herz: Verkehren Sie in Singlebörsen? Und sprechen Sie darüber? Oder behalten Sie es lieber für sich? Damit niemand denkt, Sie hätten ein „Problem“?

Online auf Partnersuche zu gehen, widerspricht dem romantischen Bild von Amor, der nach Lust und Laune seine Pfeile verschießt. Dem Zufall, wenn nicht gar Schicksal soll überlassen bleiben, ob wir die Liebe finden – oder sie uns. Zwar gehen wir zum Arzt, wenn wir krank sind, vielleicht sogar zum Therapeuten, wenn uns etwas belastet, doch eine Singlebörse, also nein, das muss wirklich nicht sein.

Als ich mich in Singlebörsen zu bewegen begann, fand ich es aufregend und amüsant. Rasch stellte ich fest, dass es – wie überall – eine moralische Hierarchie gibt. Ganz oben thronen die Partnerschaftsagenturen, die mit wissenschaftlichem Anspruch die Vermittlung ernsthafter, auf Dauer angelegter Beziehungen anbieten und sich ihre Seriosität gut bezahlen lassen. Im Mittelfeld bewegen sich Singlebörsen, die sowohl zahlende als auch nicht-zahlende Mitglieder in Kontakt miteinander bringen und mehr Wert auf Leichtigkeit legen. Weit abgeschlagen sind die Seitensprung-Agenturen, die nur interessant für diejenigen sind für die, die etwas haben, wovon sie zur Seite springen wollen: eine feste Beziehung, zu fest vielleicht.

Die Blogs in diesem Buch erheben keinen Anspruch auf Repräsentativität oder Vollständigkeit. Sie sind aus Begegnungen mit Menschen entstanden, die sich hinter Nicknames verbergen, und wurden zunächst als einzelne Blogs im Netz veröffentlicht, die kaum auffindbar waren. Eine einzige Leserin hat von Anfang bis Ende mitgelesen und mich unterstützt immer weiterzuschreiben. Vielleicht fällt ihr dies Büchlein in die Hand und sie erinnert sich an die Zeit, da wir einander verbunden waren, ohne uns zu kennen. Dies Phänomen ermöglicht die virtuelle Welt: Verbindungen zwischen Fremden, die sich einander nah fühlen, über Texte.

Ich widme dieses Buch der großen Zahl derer, die sich nicht scheuen, dem Zufall von Amors Pfeilen online auf die Sprünge zu helfen, und die mutig genug sind, sich in den Dschungel der Online-Portale zu wagen, obwohl nicht gesagt ist, dass die Suche von Erfolg gekrönt ist.

Juni 2018                                       Laetitia Liebe

Leseprobe „Tango Dreams“

10. Kolumne: Familie Tango

Neugierig schaut meine Mutter mir über die Schulter.
»Was für ein hübscher Familiename«, freut sie sich, »Tango, wie romantisch.«  Lachend erkläre ich ihr, dass bei WhatsApp all meine Tanzpartner so heißen. Miro Tango. Eric Tango. Stefan Tango. Ihre echten Nachnamen kenne ich nicht. Wer schon länger in der Tangowelt unterwegs ist, differenziert sogar nach Schulen. »Miro TTMS«, »Miro Nou«, »Miro Tanguito«.

Meine Mutter staunt. Sie kennt ihre Bekannten mit vollem Namen, weiß, wie alt sie sind und wo sie wohnen. In der Tangowelt herrschen andere Regeln, jedenfalls in einer anonymen Großstadt wie Berlin. Hier offenbart jeder nur, was er möchte. Tango wird (auch) als tänzerisches Angebot genutzt, um unverbindliche Momente der Nähe zu genießen. Für meine Mutter wäre das nichts.

Und für mich? Ich bin neugierig auf Menschen. Und genieße Fremdes als reizvoll. Sich einzulassen, ohne zu wissen, was kommt, hat einen Zauber, der den Tango – und auch manche Milonga – ausmacht. Wo kommen die Tangueros her? Wo zieht es sie hin?

»Tango«, werde ich aufgeklärt, »ist ein Versprechen, das nicht eingelöst werden will.« »Von mir schon«, lache ich. Und verstehe vielleicht etwas falsch. Sind Menschen, die nur ihren Vornamen verraten, zwangsläufig suspekt?

Wer Tangoschuhe anzieht, erweitert sein Spektrum, probiert sich aus. Für einen Moment verblasst das Leben, das wir außerhalb der Tanzfläche führen. Wir kommen uns nah, auch wenn die Nähe einer Fata Morgana gleicht. Tangotänzer, die von einer zur anderen Dame schwirren, immer auf der Suche, niemals am Ziel, locken wie verlorene Söhne, die eine unstillbare Sehnsucht in sich tragen. Das ist verführerisch und verwirrend.

»Hi, hier ist Miro.« Miro will einen Kurs mit mir machen. Heute. Sofort. In drei Stunden. Ich kann nicht? Morgen, übermorgen ist er verplant. Dann erst wieder Sonntag. »Sonntag 14 Uhr zur Practica?« »Practica? Ich denke, du willst einen Kurs?« Unsere letzte Verabredung hat der junge Mann fünf Minuten vor Beginn per SMS abgesagt: »Bin zu müde.« Das wäre ich auch, denke ich, wenn ich mir den Kalender so zuknallen würde.

Mein Vertrauen ist angegriffen von all den schwirrenden Tangovögeln, die das Flirrende, Ungewisse genießen und Tangopartnerinnen wie beim Pizzaservice bestellen.

Oder verstehe ich schon wieder etwas falsch? Und sollte mal anfangen zu genießen, was Familie Tango zu bieten hat, statt mit Abwehr zu reagieren? Immerhin zeichnet es jede richtige Familie ja aus, dass man sich manchmal so richtig über sie aufregt.

Tango Dreams – Rezensionen

Als „sorgfältig formulierte Miniaturen einer leidenschaftlichen Tänzerin“ hat der Berliner Journalist Thomas Kroeter die Kolumnen bezeichnet, in denen die „emotionalen Gefährdungen“ durch den Tango „deutlich, aber diskret“ beschrieben seien. Die vollständige Rezension ist auf dem Blog „kroestango“ zu finden.

Die Berliner Bloggerin  Laura Knight zieht eine Parallele zu ihrem eigenen Konzept: »Im Tango geht es nicht ums Sehen, sondern ums Fühlen und es geht auch nicht ums Verstehen, sondern ums Tun – und genau davon handeln diese Texte – viele von unseren genauso wie die von Lea Martin.« Der vollständige Beitrag ist auf dem Blog Berlin Tango Vibes zu finden.