Alle Beiträge von leamartin

Augenhöhe

NEUERSCHEINUNG ++++ September 2020 +++

»Augenhöhe«
Vater Sohn Momente
Stephan Krawczyk

In seinem neuen Buch begleitet der alleinerziehende Vater und Schriftsteller seinen Sohn, dessen Beobachtungen seinen Blick verändern – eher beiläufig, nebenbei. Die LeserInnen werden auf eine Reise mitgenommen, die zornig beginnt und zärtlich endet.

88 Seiten, Hardcover, ISBN 978-3-935401-10-4, Ladenpreis 13 €.

Als »Künstler der Anwesenheit« tritt Stephan Krawczyk mit seinen Konzerten, Liedern und Rmanen für eine Gesellschaft ein, die ihre Verantwortung  für ein Miteinander auf Augenhöhe wahrnimmt. Weitere Informationen unter www.stephan-krawczyk.de.

Sind Tangotänzer die besseren Liebhaber?

NEU IM PROGRAMM +++ NEU IM PROGRAMM +++ 

Tango gilt als Tanz der Liebe, der das Leben verändert. Viele Menschen tauchen voller Sehnsucht in ihn ein und bringen eine große Bereitschaft mit sich einzulassen. Auf Milongas (wie die Tango-Tanzveranstaltungen heißen) tanzen Fremde eng umschlungen oft stundenlang miteinander. Da kommt dann auch das »Kuschelhormon« Oxytocin ins Spiel, das zu Irrungen und Verwirrungen führen kann. In den neuen Erzählungen von Lea Martin geht es um Leidenschaft und Liebe, um Illusionen und Enttäuschungen. Es geht um Gefühle, die den Tango anziehend sein lässt und die er frei setzen kann. »Sind Tangotänzer die besseren Liebhaber?« erscheint voraussichtlich im Juli 2020 mit Softcover-Einband, ca. 254 Seiten, ISBN: 978-3-935401-09-8, Ladenpreis 14 €.

Zur Unterstützung der Berliner Tangoszene schenkt joanmartin 100 Bücher an die Tangoschule »Mala Junta«. Wer das Mala Junta mit einer Spende von mindestens 15 € (inkl. 1,50 € für Porto) unterstützt, erhält als Dankeschön eines der Bücher.  Einfach an das Mala Junta überweisen und als Verwendungszweck den Buchtitel und (unbedingt!) die eigene Adresse vermerken:

Kontoinhaber: Mala Junta, Judith Preuss
IBAN: DE06860100900602665907, Verwendungszweck: »Sind Tangotänzer die besseren Liebhaber?« (Corona) .

Bitte außerdem unbedingt eure Postadresse an das Mala Junta senden, damit wir euch das Buch zuschicken können.

LESEPROBEN der Erzählungen bietet das Magazin »Tango Argentino Online« unter diesem Link.

Die erste REZENSION schreibt Susanne Mühlhaus in der »Tangodanza« 4/2020:

»Lea Martin schafft es, nicht nur Sehnsucht, Ambivalenz, Zweifel, Wut und Eifersucht, sondern auch Polyamorie, Anbaggerei, Narzissten und kluge Kinder in den Erzählungen unterzubringen und spickt sie noch mit falschen Freunden und Freundinnen und überheblichen Besserwissern. Eine zweite Ebene des Leids sind unterschiedliche Gewalttraumata in fast jeder der Geschichten: sexueller Missbrauch, Krieg, Gefangenschaft und Naziverbrechen werden thematisiert. (…) Es sind keine Kurzgeschichten, deren Ende offen bleibt, sondern wir erfahren, was aus den Protagonisten wird. Durch eine Vermischung von auktorialer und personaler Erzählperspektive schafft die Autorin auch bei der Leserin Distanz und Nähe. Mal sind wir ganz nah bei der Frau, mal weiter entfernt. (…) Was beim Tanzen vor sich geht, gehört zu den schönsten Beschreibungen des Buches, und man möchte an solchen Stellen am liebsten noch ein wenig verweilen, sie mit eigenen Vorstellungen, Erinnerungen und Wünschen ausmalen. Was jedoch die Frage angeht, die im Titel gestellt wird – diese wird im Buch beantwortet, aber die Antwort verratn wir hier nicht!«

NEU: »LiteraturLabor«

NEU ab März 2020: Nach dem Motto »Wenn das Leben dir Zitronen gibt, mach Limonade daraus« lädt joanmartin herzlich ein ins neue LiteraturLabor, um gemeinsam neue literarische Projekte anzuschieben (oder auch alte Themen neu zu entdecken).

Egal ob ihr bereits eine Idee habt oder nur einfach neugierig seid und wissen wollt, wie aus einem Thema ein Buch oder eine Lese-Projekt wird, kommt vorbei, lernt Leute kennen, die sich wie ihr für Literatur interessieren, lasst euch überraschen.

Infolge von Corona fällt das LiteraturLabor zunächst aus. Für den Newsletter könnt ihr euch per E-Mail anmelden.

Nach Corona ist geplant, dass das LiteraturLabor immer am zweiten Sonntag eines Monats um 12:00 Uhr stattfindet. Die Adresse erfahrt ihr, wenn ihr euch anmeldet, am besten per E-Mail, gern aber auch per Telefon: (030) 764 03 793. Der Start war am Internationalen Frauentag am Sonntag, 08. März 2020.

»Tango in my Heart«

Neben vielen anderen ist auch die Tangoszene besonders von der Corona-Krise betroffen. Viele VeranstalterInnen und Schulen haben vor jeder Behörde auf die Situation reagiert und Milongas sowie Kurse ohne jede Anordnung abgesagt: aus Verantwortung und obwohl ihre Existenz auf dem Spiel steht. Dieses Voraus-Denken in der Not wird von der Spenden-Bereitschaft vieler TangotänzerInnen eindrucksvoll ergänzt.

Es ist mir eine Freude, zusammen mit der Bloggerin Laura Knight auf ihrem Blog »Berlin Tango Vibes« einen Beitrag zu leisten, um die Berliner Tangoszene in der aktuellen Krise zu unterstützen.

Foto: Anandamrita/Shutterstock.com

Das Projekt »Tango in my Heart« stellt Tango-Profis  und  Tango-LiebhaberInnen der Berliner Tangoszene vor und lässt sie erzählen, wie es ihnen aktuell geht, was sie vermissen, woran sie sich (gerne) erinnern, wie sie andere unterstützen und wie man sie unterstützen kann.

Für den ersten Beitrag hat Laura mit der Inhaberin des Tango Concepts Stores Te Quiero Nutz in der Boxhagener Straße in Berlin Friedrichshain gesprochen. Dann haben wir Judith Preuss, Gründerin und Leiterin der Tangoschule Mala Junta, Tangotänzer Rahhman und Tangotänzerin und -lehrerin  Gaia Pisauro, sowie Tangokünstlerin Alicja vorgestellt. Im aktuellen Beitrag stellen wir die Tango-Liebhaberin Gabriele S. vor. Alle Beiträge findet ihr hier.

Bei Papa gibt es immer Cola

Bei Papa gibt es immer Cola
Kolumnen  |  Katharina Martin

»Bei Papa gibt es immer Cola! Und Pommes! Und immer kauft er uns etwas zum Spielen!« Die Loblieder auf Papas schöne Wochenendwelt gären in der alleinerziehenden Mutter. Es ärgert sie, nur für die Pflichten zuständig zu sein. Dann lädt sie ihre Kinder ins Auto. Ab in Papas Welt, von der sie nun auch etwas abhaben will.

Die Kolumen von Katharina Martin ermuntern augenzwinkernd, oft auch selbstkritisch zu Selbstbewusstsein, weil auch Trennungsfamilien kein bisschen weniger Familie als andere sind.

Einige der Kolumnen wurden  in der »Berliner Morgenpost« veröffentlicht.

Joanmartin Literaturverlag  |  Berlin 2018
ISBN 978-3-935401-06-3

Leseprobe 

Rezension in »Tangodanza« von Laura Knight

»Diese Kolumnen-Sammlung ist eine Hommage an die Magie des Tango. Lea Martin gibt darin Einblicke in ihre persönliche Tango-Erfahrungswelt. Es geht ihr um den Tango, den wir alle kennen, der ebenso Herausforderung ist wie Hobby, Leidenschaft und soziales Ereignis. Die Autorin nimmt ihre Leser mit auf Milongas (hauptsächlich in Berlin), in den Unterricht, zur Tanzpartnersuche und in die Einsamkeit nach der letzten Tanda. Sie dürfen teilhaben an Gedanken, Erinnerungen, Frustrationsmomenten und Glücksgefühlen. Dabei lässt Lea Martin den Tango so sein, wie sie ihn erlebt – mit allen Emotionen und Widersprüchlichkeiten. Sie gibt sich seinem Zauber hin und macht seine Magie greifbar. Sie erlaubt es sich, verträumt zu sein und manchmal auch naiv statt abgeklärt und cool. Fühlen statt Denken. Tun statt Verstehen. Dadurch gewinnen die Texte an Tiefe und regen zur Reflexion an. Unterstützt wird dies durch eine bildhafte, manchmal gar poetische Sprache.

Jeder der Texte stellt eine Begegnung mit einer der vielen Facetten des Tango dar. Ganz nebenbei zeichnet das Buch den Weg von der begeisterten Anfängerin zur erfahrenen Tänzerin nach. Die Kolumnen widmen sich den kleinen Absurditäten ebenso wie den großen Emotionen. Wer selbst Tango tanzt, wird sich darin wiederfinden. Manche fühlen sich vielleicht ertappt, wenn von ‚Mir Tango‘, ‚Eric Tango‘ und ‚Stefan Tango‘ und er Telefon-Kontaktliste die Rede ist Andere denken beim Text über das erste Tango-Date schmunzelnd an ihre eigene Tanzpartnersuche zurück oder schwelgen bei ‚Lehrer-Hopping‘ in Erinnerung an ihre ersten Tango-Lehrer. Und die wenigsten lässt vermutlich der Gedanke an den letzten Tanz mit einem geliebten Menschen kalt.

Ursprünglich wurden die Texte von Lea Martin auf einem Internet-Portal veröffentlicht. Jetzt gibt es die 82 Kolumnen, von denen kaum eine länger als zwei Seiten ist, zusammengefasst in einem 171-seitigen Buch. Dank der schönen Hardcover-Ausführung mit rotem Lesebändchen ist das Buch auch ein besonderes Geschenk für Tango-Begeisterte. Tango Dreams richtet sich an alle, die selbst Tango tanzen ebenso wie an Interessierte, die sich in den ‚Tango-Zirkus‘ zunächst aus sicherer Entfernung einlesen wollen. Das Cover zeigt eine Tango-Umarmung, bei der der Mann fast im Schwarz des Bucheinbandes verschwindet und die Frau zur Hauptperson wird – passend zu den Texten, die die Erfahrungen aus weiblicher Perspektive schildern und gerade deshalb nicht nur für Frauen interessant sind. Das Buch lädt zum Stöbern ein. Dabei muss die vorgegebene Reihenfolge der Kolumnen nicht eingehalten werden, in den wenigsten Fällen knüpfen diese direkt aneinander an. (…)«

Pressestimmen zu »auschwitz : heute«

19.02.2004  
tip Berlin

Nach dem Schweigen
Die Berliner Autorin und Verlegerin Katharina Schäfer hat in ihrem Literaturprojekt „auschwitz : heute“ das Wissen der Nachfolgegenerationen erforscht

von Anita Staudt

Am Anfang war eine kleine Postkarte, auf der stand: „auschwitz : heute“, und zwar genau so – alles klein. Davon verbreitete die Autorin und Verlegerin Katharina Schäfer allerdings 40.000 Stück in ganz Berlin – in Kneipen, Kinos, Cafés, Bibliotheken… (mehr)


19.02.2004
Jüdische Allgemeine

Die Vorleserin
Gedichte und Gespräche: Katharina Schäfer besucht Menschen zu Hause und erzählt über die Schoa

von Katja Winckler

Kämpfen tut sie heute noch mit ihrem Vater. Obwohl er schon seit Jahren tot ist. Immer wenn ihr Vater beim Kaffeetisch begeistert von Hitlers Autobahnen sprach, bekam er plötzlich diesen schmalen Mund unter dem gestutzten Oberlippenbart…(mehr)


12.11.2003
die tageszeitung

Nur das Knistern des Holzes im Ofen

von Katja Winckler

Aus nächster Nähe: Die Berliner Schriftstellerin Katharina Schäfer liest nicht öffentlich, sondern kommt mit ihrem Gedichtband „Weil ich keine Jüdin bin“ zu den Leuten nach Hause…(mehr)


30.10.2001
Berliner Morgenpost

Wohnzimmer-Lyrik.
Dichterin liest in privater Atmosphäre

von Frank Behrens

Tempelhof – Wohnzimmer sind private Räume. Und eigentlich kein Platz für Literaturlesungen. Genau diese Spannung nutzt die Lichtenrader Lyrikerin Katharina Schäfer für ihr Projekt „PrivatLesungen“… (mehr)


29.08.2001
Tempelhofer Wochenblatt

Lyrik im Wohnzimmer
Projekt „PrivatLesungen“ gestartet

von CS

Lichtenrade. Die Schriftstellerin Katharina Schäfer startete kürzlich mit Unterstützung der Dezentralen Kulturarbeit das Projekt „PrivatLesungen“. Dazu kommt sie für eine Lesung in die Wohnung von LeselustigenAuf die Idee mit den „PrivatLesungen“ kam Katharina Schäfer bei einer Tupperparty … (mehr)


20.12.2000
Heilbronner Stimme

Drei Gedichtbände von Lyrikern aus der Region.
Die Kunst des Dichtens

von Uwe Grosser

Viele fühlen sich berufen, nur wenige sind es: Die Zahl der Gelegenheits-Lyriker in der Region scheint stetig zuzunehmen, doch in der Masse findet sich nur wenig Klasse. Ein paar wohl klingende Wörter aneinander gereiht machen noch keine Poesie. Doch es gibt sie, Gedichtbände… (mehr)


Dezember 2000
TOP – Berlin International

Gedichte atmen unter das Gras

von Dieter Götze

„Im Schweigen wurde ich groß/ von Legenden durchsetzt/ Meine Unschuld verlor ich/ im Geschichtsunterricht/ Langsam nach Jahren der Sprachlosigkeit/ Lerne ich Worte zu spannen wie Zweige/ Zwischen Erde und Mond.“… (mehr)

Leseprobe »auschwitz : heute«

Einleitung

»Gibt es keine schöneren Themen?« werde ich oft gefragt. Meine Antwort ist: Nein. Es gibt kein schöneres Thema als die Realität. Auschwitz ist ein wesentlicher Teil dieser Realität, wenn nicht der wesentlichste.

Die Idee zu diesem Buch entstand aus dem Wunsch, ein polyphones Stimmungsbild zu realisieren, ein Kaleidoskop von Haltungen nicht-jüdischer Deutscher zu Auschwitz. Bewusst habe ich dafür nach Menschen gesucht, die, wenn sie Auschwitz hören, nicht weglaufen, sondern aufmerksam werden und bereit sind, über ihre Erfahrungen zu sprechen.

Für mich ist Auschwitz kein abgeschlossenes Kapitel, interessant allenfalls für Historiker oder zum offiziellen Gedenken. Mich interessiert die aktive Auseinandersetzung, von der Erinnerungsarbeit über die Pädagogik bis zur Politik. Mich bewegt, wenn die Kinder und Kindeskinder der großen und kleinen Täter aus dem Schatten ihrer Väter und Mütter treten, nicht pflichtschuldig, sondern aus freier Entscheidung. Gerade auch von Nachfahren ist aber immer wieder zu hören, dass „endlich“ Schluss sein müsse mit „diesem“ Thema.

Tatsächlich neigt die bundesdeutsche Gesellschaft dazu, Auschwitz als Thema auszusortieren, unter Judentum, Historie, Gedenken. Der im wesentlichen katholisch motivierte Bau des Mahnmals ist folgte einem ähnlichen Ziel. Man zahlt viel Geld, um Buße zu tun und glaubt an die Erlösung von Schuld. „Das Schöne an der Schuld ist das Gedenken“, dichtete unlängst ein Kabarettist. Gedenken befreit von Selbstreflexion. Das Mahnmal selbst jedoch lädt dazu ein.

Erhellendes zum deutschen Umgang mit den Auschwitz sschrieb Martin Walser, der Dichter vom Bodensee, der sich gern als nationaler Dichter geriert, bereits 1955 in seinem Aufsatz „Unser Auschwitz“: “ Natürlich“, schrieb er, „verabscheuen wir den Täter. Das gehört ja mit zu unserer intimen Auseinandersetzung. Wir empfinden den Unterschied. Und wir nehmen Anteil am Opfer.“ Mit der Rede vom „natürlichen Unterschied“ gab er das Freizeichen für eine öffentliche Reinwaschung der Seelen, die bis heute währt. Egal was unsere Vorfahren getan oder gelassen haben, „wir“ empfinden uns ihnen einfach als nicht zugehörig, punktum. Auschwitz, so Walser, sei ohnehin nur aus Sicht der Opfer zu verstehen. Viele Deutsche hören das gerne. Denn auf die Opfer zu schauen, entlastet von dem Blick in den Spiegel. Der „Verlust der humanen Orientierung“ (Ralph Giordano), der Auschwitz möglich machte, ist heute noch spürbar. Bis heute aber fällt es vielen Deutschen schwer, ihn für die eigene Familie, die eigene Person zu realisieren. Der Deutschen „Unfähigkeit zu trauern“ (Mitscherlich) ist Teil einer Gefühlstaubheit, die zwar aufbricht, aber längst noch nicht überwunden ist.

Die Interviews, die in diesem Buch versammelt sind, laden dazu ein, den bis in die Gegenwart reichenden Schatten von Auschwitz nachzuspüren. Gern werden zu Auschwitz wohlklingende Sätze formuliert, die von großen Worten hallen. Ich wünsche mir leisere, wachere Töne, eine Nummer kleiner und in Beziehung gesetzt zu eben jenen Tätern, von denen wir – Abscheu hin oder her – zunächst einmal abstammen. Ich selbst habe zu Auschwitz nicht vor allem eine politische, sondern zunächst eine emotionale Haltung und misstraue jedem, der behauptet, die Geschichte seiner Eltern und Großeltern ließe ihn kalt.

Mit allen Schwankungen, denen meine Gefühle zu Auschwitz im Lauf von drei bewusst erlebten Jahrzehnten unterlagen, sind sie wesentlicher Bestandteil einer Identität, die mich von meinen Eltern und Großeltern unterscheidet. Ich bin weit nach 1945 geboren und habe von Auschwitz in der Schule erfahren. Seinen Widerhall jedoch konnte ich spüren, politisch und privat.

Man unterteilt mit Bezug auf das Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 die Generationen in eine 1. (Opfer- bzw. Täter), 2. (Kinder von Opfern bzw. Tätern) und 3. Generation (Enkelkinder von Opfern bzw. Tätern). Ich selbst kenne beide Empfindungslagen, die des Kindes und des Enkelkindes. Meine Großväter waren überzeugte Nationalsozialisten, mein Vater als junger Mann bei der Waffen-SS. Meine Mutter und Großmütter schwammen im Fahrwasser der Männer in ihrer Familie. Als traumatisch habe ich nicht nur die NS-Vergangenheit meiner Familie zur NS-Seite erlebt, sondern vor allem die beständige nachträgliche Rechtfertigung, den nie vollzogenen inneren Bruch.

Sechzig Jahre nach 1945 erleben wir einen Zeitenwechse. Die letzten Überlebenden sterben, sowohl auf Opfer- als auch auf Täterseite. Die künftige Erinnerungskultur wird von Nachfahren geprägt. Für sie ist Auschwitz vermittelte Realität. Ihre Entscheidung, ob und wie sie damit umgehen, ist distanzierter und freier als die der vorangegangenen Generationen. Es gilt allgemein als schwer und belastend, über Auschwitz zu reden, von Auschwitz zu hören. Belastend war und ist in diesem Land jedoch vor allem das Schweigen. Ich will mit diesem Buch ein Zeichen setzen für die emotionale Akzeptanz einer Realität, die nicht leichter wird, indem man sie wegschiebt.

Zu Beginn des Projekts „auschwitz : heute“, wurden berlinweit 40.000 Postkarten, bedruckt mit diesen beiden Worten, verteilt. Auf der Rückseite war zu lesen:

„Auschwitz spaltet, es provoziert. Schuldgefühle, Trauer,
Entsetzen, Angst, Abwehr, Unlust, Langeweile. Das
Literaturprojekt ‚auschwitz : heute‘ fragt, wie Auschwitz von der
2. und 3. Generation nach 1945 erfahren wird. Wenn Sie mehr
über eine Teilnahme wissen wollen, schicken Sie einfach diese
Postkarte ab.“

Die Postkarte lag in Kneipen, Cafés, Kinos, Bibliotheken aus. Wer interessiert war, konnte mich zu einer Lesung aus meinem Gedichtband „weil ich keine jüdin bin“ einladen. Anschließend lud ich die ZuhörerInnen zu Interviews ein (…). Der Fotograf Hannes Wanderer realisierte meine Idee, die Räume, an denen Lesungen stattfanden, zu fotografieren, als Spiegel seiner BewohnerInnen. Herausgekommen ist ein lebendiges, vielgesichtiges Buch, das „InnenRäume“ zeigt, in Fotos und Text. Ich wünsche mir, dass es dazu ermutigt, einen offenen Blick in den Familienspiegel zu werfen. (…)

Berlin, April 2005 Katharina Schäfer