Sind Sie Schriftstellerin?

 

Klare Antwort: Nein, bin ich nicht.

Als Schriftsteller/in gilt, wer mindestens ein Buch belletristischen Charakters in einem Verlag publiziert hat, der kein eigener ist.

Ich habe sieben Bücher publiziert, darunter zwei Lyrikbände, zwei Sachbücher, einen Foto-Text-Band, einmal Kolumnen und einmal Blogs, doch zur »Schriftstellerin« werde ich erst, wenn einer der Romane, der in meinen Schubladen reift, geboren sein wird: in einem fremden Verlag, wohlgemerkt. Wie die Dinge liegen, bin ich keine »Schriftstellerin« und das, obwohl Schreiben meine Leidenschaft ist und ich mich sogar vom Schreiben ernähre.

Vielleicht ist der Begriff der »Schriftstellerei« ohnehin überholt. Ich stelle keine Schrift – sondern ich schreibe. »Wer schreibt, provoziert.« Dies hat Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki gesagt und wenngleich er damit eher auf geistig-mentale Provokationen anspielte als auf sozial-kulturelle, kann ich seine Definition unterschreiben. Ich schreibe, um zu provozieren, d.h. etwas hervorzurufen, das es vorher nicht gab.

Die Provokation, um die es www.joanmartin.de geht, gilt dem Verständnis von Schreiben, von Literatur – und seiner Vermarktung.

Die für selbstverständlich gehaltenen Grenzen zwischen Journalismus und Belletristik, Wirklichkeit und Fiktion, Lyrik und Werbung sind keineswegs sakrosankt, sondern historisch gewachsen.

Ich bin also keine Schriftstellerin, nein. Ich bin Autorin, Verlegerin, Lyrikerin, Wort-Künstlerin. Als solche tanze ich auf vorgefundenen schriftsprachlichen Grenzen für eine Literatur, die in den Dialog geht.

Literatur ist mehr als bedrucktes Papier. Zur Literatur gehört, wie sie kommuniziert wird. Und von wem.