Sind Sie Schriftstellerin…?!

Als Schriftsteller/in gilt, wer mindestens ein Buch belletristischen Charakters in einem Verlag publiziert hat, der kein eigener ist. Ich habe fünf Bücher publiziert, darunter zwei Lyrikbände, zwei Sachbücher, einen Foto-Text-Band, doch zur Schriftstellerin werde ich erst, wenn einer der Romane, der in meinen Schubladen reift, geboren sein wird. Wie die Dinge liegen, bin ich keine Schriftstellerin und das, obwohl Schreiben meine Leidenschaft ist, mein Atem, mein Sein und ich mich sogar vom Schreiben ernähre. Vielleicht ist der Begriff der Schriftstellerin überholt, jedenfalls was mich betrifft. Wer schreibt, provoziert. Dies hat Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki einmal gesagt und wenngleich er damit eher auf geistig-mentale Provokationen anspielte als auf sozial-kulturelle, kann ich  seine Definition unterschreiben. Ich schreibe, um etwas zu provozieren, d.h. hervorzurufen, das es vorher nicht gab. Die Provokation, um die es www.joanmartin.de geht, gilt dem gesellschaftlichen Verständnis von Schreiben, von Literatur und seiner Vermarktung. Die für selbstverständlich gehaltenen Grenzen zwischen Journalismus und Belletristik, Wirklichkeit und Fiktion, Lyrik und Werbung sind historisch gewachsen und keineswegs sakrosankt. Ich bin also keine Schriftstellerin, nein. Ich bin Autorin, Verlegerin, Lyrikerin, Wort-Künstlerin. Als solche tanze ich auf vorgefundenen (schrift-)sprachlichen Grenzen und öffne einen Raum, der Tradition als Herausforderung und neue Perspektiven als Bereicherung erlebt. Literatur ist mehr als bedrucktes Papier. Zur Literatur gehört, wie sie kommuniziert wird. Und von wem.